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Meine kleine miese Ego-Stimme


Wer Eckhart Tolle gelesen hat, weiß, dass es sowas von richtig und rational gut klingt. Doch ich lese und lese und ich denke: “Ja, macht total Sinn”. Doch so richtig “klick” macht es noch nicht. So ganz begreift mich das nicht. So ganz fühle ich mich nicht. Und meine Ego Stimme schreit in meinem Kopf ganz laut dagegen, so als befürchte sie, dass ich, würde ich mich der Entspannung, dem Nichts-tun, dem Sein hingeben, abstürzen. Als würde ich faul werden. Ein Hänger. Asozial.


Meine Ego-Stimme erlaubt mir höchstens, das Ganze mit Verstand zu verstehen. Es erlaubt mir, fleißig das Wissen aufzusaugen. Es logisch einzuordnen. Daher habe ich so viele Bücher in meiner Tasche, die mir die Hoffnung geben, zu lesen und dann wissen zu können, wie ich ticke. Wer ich bin. Woher alles kommt. Und was ich jetzt damit anfangen sollte. Am liebsten würde ich eine Pille schlucken, eine Choreographie durchspielen oder die richtigen Punkte an meinem Körper drücken, um die Antworten über mich selbst zu erfahren. Damit wäre dann die Arbeit an meinem Sein beendet und ich hätte vollkommene Klarheit. Doch ich wäre naiv, wenn ich das wirklich glauben würde. Und mein Ego-Ich würde es auch nur schwer zulassen, wenn es wirklich ein Geheimrezept gäbe, das bei jedem wirkt. Denn ich bin doch besonders. Und ich bin anders als alle anderen. Demnach brauche ich auch ein ganz anderes Wissen und ganz andere Tools, um mich selbst kennenzulernen.


Und eigentlich ist mir doch schon so klar, dass ich gar nichts aus dem Außen benötige - kein Buch, kein Superfood, keine Pillen und auch kein weiteres Wissen, um mich selbst zu verstehen. Das Einzige, was ich brauche, ist Zeit und Vertrauen, dass ich mir selbst die Antworten gebe. Dass ich darin vertraue zu spüren. Mich zu spüren. „Ha, Ego-Stimme, ich bin so weise und weiß das alles“. Und doch fällt es mir noch so verdammt schwer.

©2019 by Laura Weil

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